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Durch die Einsamkeit des Fulufjälls zum ältesten Baum der Welt mit unseren Hunden, Schlitten, Ski und zu Fuß

 

Zum Jahreswechsel 2016/2017 machen wir uns wieder auf die Reise. Wie so oft in den letzten Jahren führt uns der Weg Richtung Norden. Uns locken die endlos scheinende Weite, die Stille, die Einsamkeit und die Kälte. Das alles bietet auch optimale Bedingungen für unsere zwei Siberian Huskies Anyu und Auki.

Wir durchqueren Deutschland und nehmen dieses Mal Kurs auf den Fährhafen Travemünde. Von dort legt die Nachtfähre der FINNLINES Richtung Malmö ab. Unsere Fellnasen sind an Bord wie immer relaxt - sie kennen das ja schon. Kaum in Malmö eingelaufen geht es weiter auf der E6 nach Norden. Im Finnskogen, einem bergigen, bewaldeten und einsamen Landstrich an der norwegisch-schwedischen Grenze (welcher seinen Namen nach den ehemals angesiedelten Waldfinnen trägt), pausieren wir für ein paar Tage in einem Ferienhaus. Während sich die Hunde dort akklimatisieren, treffen wir die letzten Vorbereitungen für unsere Fjälltour. Dazu gehört unter anderem auch die endgültige Präparation der neuen Fjällski . Wir haben uns für Vollholz-Ski der Firma RØNNING entschieden. Nun können wir endlich Richtung Fulufjäll starten.

Je weiter wir nach Norden kommen, um so dicker wird zu unserer Erleichterung die Schneedecke. Eine echte Herausforderung ist das letzte Stück Straße am Fjäll - pures Eis. Wie hätten wohl lieber Schlittschuhe einpacken sollen!! Unversehrt und glücklich erreichen wir dank Schneeketten  am 31.12.16 nachmittags unsere kleine Hütte am Fuß des Fjälls in Mörkret. Die Hütte bietet uns für die nächsten Tage ein einfaches aber gemütliches Heim. Immerhin gibt es unerwarteten Luxus, Strom und eine elektrische Heizung.

Uns drängt ein wenig die Zeit, da wir vor Einbruch der Dunkelheit noch Schlitten und Schneemobil bei optimalen Bedingungen ausprobieren wollen.  Zurück an der Hütte gibt es an diesem Silvesterabend Suppe mit Würstchen draußen am Holzfeuer. Plötzlich meldet die Polarlicht-App eine sehr hohe Polarlichtwahrscheinlichkeit für die nächste Stunde. Welch ein Glück! Die Hunde schlafen bereits in ihren Kojen, also starten wir das Schneemobil und fahren direkt ins Fjäll. Und tatsächlich färbt sich der Himmel nach kurzer Zeit und die Polarlichter beginnen zu tanzen. So erleben wir in dieser Silvesternacht ein atemberaubendes, grandioses Feuerwerk des Himmels - einfach überwältigend!

Am Neujahrsmorgen starten wir mit unseren Doggies, Schlitten und Ski  zur Tour ins Fjäll. Eisig bläst uns der Wind ins Gesicht und der Trail ist stellenweise komplett verweht, sodass als Markierung nur noch die ANDREAS-Kreuze zu sehen sind. Endlich erreichen wir das Hochplateau. Das Farbenspiel in Weiß und Blau in der Einsamkeit ist überwältigend.Die Särnmannskojan bietet nach einigen Kilometern Schutz und Wärme. So steht der gemütlichen Rast mit Tee und Keksen am mittlerweile warmen Ofen nichts  mehr entgegen.

Die Tage sind kurz zu dieser Jahreszeit und so genießen wir die Minuten der traumhaften, goldenen Abendsonne vor der kleinen Hütte.

Mit Einbruch der Dunkelheit bekommen die Hunde ihr wohlverdientes Mahl und auch wir lassen uns unsere Suppe schmecken. Wegen der nächtlichen Kälte und der Unerfahrenheit unserer zwei jungen Huskys in diesem extremen Klima werden die beiden die Nacht mit uns in der Hütte verbringen. So rollen wir unsere Isomatten auf den Holzbänken aus und kriechen in unsere Schlafsäcke. Die Hunde rollen sich auf dem Boden zusammen und recht bald ist  die Müdigkeit in tiefen Schlaf übergegangen. Morgen geht es weiter zum wohl ältesten Baum der Welt namens "Old Tjikko".

 Am nächsten Morgen erwachen wir durch die Unruhe der Hunde schon vor Sonnenaufgang. Der Ofen ist schnell wieder warm und der Schnee für den Kaffee und das Wasser für die beiden Huskys schnell geschmolzen. Die Hunde „schlappern“ ihre Morgensuppe und wir genießen den heißen Kaffee, Kekse und Knäckebrot. Das Wetter verspricht wieder genial zu werden und mit den ersten Sonnenstrahlen packen wir unsere Sachen zusammen. Wir lassen die nächtliche Unterkunft hinter uns und machen uns auf den Weg. Die Hunde sind wie immer aufgeregt bis die ersten hundert Meter endlich im Zuggeschirr zurückgelegt sind und die Routine wieder einkehrt. Die beiden laufen fantastisch und man merkt ihnen die Freude an ihrem „Element“ förmlich an. Ich kann den Hunden und Kathrin als Musher auf dem Schlitten mit meinen Ski nicht im geringsten folgen, obwohl die Ski perfekt laufen. Ich lasse sie ziehen und sauge die absolute Stille zwischen Gleitgeräuschen der einzelnen Schritte auf. Ich spüre meinen Puls in den Ohren und bin von der weißen, endlosen Weite im gleißenden Sonnenlicht überwältigt. Kathrin auf dem Schlitten geht es sicher ebenso. Wir sind an der Stelle, an der unser Weg vom markierten Trail abzweigt, verabredet. Dort wird sie auf mich warten. Ich komme gut voran und erreiche die drei anderen zügig. Ab hier verlassen wir nun den markierten Weg in Richtung Old Tjikko, jetzt nur noch mit GPS. Ohne Markierung und ohne das Wissen um das wirkliche Ziel unserer Unternehmung verlassen sich die Hunde nun sehr schnell auf meinen Orientierungssinn und laufen den Schlitten gemütlich hinter sich herziehend völlig relaxt neben mir her. So folgen wir dem Pfeil des GPS-Gerätes in Richtung der eingegeben Koordinaten durch die Schneewüste vorbei an kleinen, knorrigen Fichten und Kiefern. Zu unserem Erstaunen und Entsetzen befindet sich an dem angepeilten Punkt kein Baum. Auch in näherer Umgebung keine gemeine Fichte, welche Old Tjikko sein soll. In einiger Entfernung entdecken wir einen Baum der dem, welchen wir suchen ähnelt. Allerdings ist es eine Kiefer. Wir ahnen bereits bedauerliches: die Koordinaten im Internet sind nicht korrekt. Auf keiner Karte ist der von uns gesuchte „Greis“ verzeichnet. Die grandiose Natur, der gigantische Ausblick, die absolute Stille und das fantastische Sonnenlicht entschädigt aber allemal dieses Missgeschick. Wir können uns kaum satt sehen. In diesen Momenten empfindet man tiefe Ehrfurcht vor der gigantischen Natur und realisiert, wie klein und unbedeutend wir als menschliche Kreaturen auf dieser Welt eigentlich sind.

 Jetzt heißt es aufbrechen, sich vom Anblick losreißen und den Heimweg antreten. Wir müssen uns wieder bewegen, da wir beginnen, langsam auszukühlen.

 Der Rückweg ist ein Kinderspiel, da wir ja nur unseren Spuren folgen müssen. Jetzt haben die Hunde auch wieder ihren Weg in der Nase und geben richtig Gas. Ich folge ihnen, so schnell es eben geht. Eine kurze Rast in der Übernachtungsstuga und weiter geht es Richtung Brotbäckstuga. Bergab bin ich auf meinen Fjellski schneller als Hund und Schlitten und bin als erster da. Abends liegen dann die zwei Hunde erschöpft und satt in der warmen Hütte beim Vandrarhem in Mörkret und wir rätseln immer noch wo nun genau dieser ominöse älteste Baum sein solle.

 Am nächsten Morgen müssen wir leider das Fulufjäll in Richtung Finnskogen verlassen. Wir hatten wunderbare Erlebnisse, die wir nun für immer in uns tragen.

 Die Suche wird aber weitergehen und wir werden zurückkehren, soviel steht schon mal fest!

  

An Pfingsten ist es endlich soweit. Und dieses Mal wollen wir mit unseren Kindern den „Alten“ endlich finden. Wir haben zufällig eine Karte entdeckt, auf der der Standort des Old Tjikko ungefähr verzeichnet ist. Damit ist bestätigt: die Koordinaten im Internet sind definitiv falsch. Dieses Mal finden wir ihn bestimmt. Wir übernachten spartanisch in der Brotbäckstuga und wollen am nächsten Morgen aufbrechen.

Da es um die Pfingstzeit abends und nachts nie wirklich dunkel wird, führt unsere Aufregung zu dem Entschluss, noch an diesem Abend aufzubrechen. Unsere Jungs, schon fertig fürs Nachtlager, wollen mit den Hunden in der Hütte bleiben. Ausgerüstet mit Funkgerät und ultraleichtem Gepäck machen wir zwei "Alten" uns also auf den Weg. Unser Pfad führt uns über Stege, vorbei an Bächen und Tümpeln durch die Hochebene des Fulufjälls in Richtung Schwedens höchstem Wasserfalls mit ca. 92m, dem Njuppeskär.

Ab hier ist der Weg nicht mehr gekennzeichnent. Dank der gefundenen Karte und dem GPS folgen wir den Höhenlinien auf schwach ausgetretenen Pfaden unserem Ziel entgegen.

Nach ca. 2 Stunden Fußmarsch und zum Teil "Geocaching" sind wir endlich da - Punkt Mitternacht. Jetzt steht sie endlich vor uns: ca. 5m hoch, die gemeine Fichte, Old Tjikko, mit 9550 Jahren der älteste bisher bekannte individuelle Klonbaum der Welt. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Old_Tjikko

Voller Freude senden wir den Funkspruch an unser "Basislager", bei denen auch alles in bester Ordnung ist.

Die Stille und der aufsteigende Nebel bei sehr hellem Dämmerlicht verleihen der mitternächtlichen Stimmung an diesem Ort etwas absolut Mystisches. Es sind diese wunderbaren Momente, die wir so gerne einfangen und behalten.

Da wir ja die Tour mit unseren Jungs morgen nochmals gehen wollen, machen wir uns nach kurzer Rast wieder auf den Heimweg.

Es ist wirklich so hell, dass wir unsere Stirnlampen im Rucksack lassen können. Auch die Bilder gelingen problemlos ohne künstliches Licht!

Wieder bei der Hütte liegen die Jungs bereits fest schlafend auf ihren Isomatten in ihre Schlafsäcke eingerollt und träumen bestimmt vom nächsten Morgen ;-) .

Auch zu acht vergeht die erneute Wanderung auf nun bekanntem Weg für uns wie im Fuge - und schon wieder stehen wir an diesem "gewaltigen Stück Erdgeschichte". Wir genießen nochmals die Stimmung in Gegenwart des alten Baumes.

Glücklich, zufrieden aber auch erschöpft erreichen wir am frühen Nachmittag wieder den Parkplatz am Naturum/Fulufjäll. 

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