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Mit Kindern, Rucksack und Zelt zum nördlichsten Punkt Europas – Nordkapp/Knivskjellodden

 

Familien-Trekking im hohen Norden – ein Reisebericht

 

Anfang August - endlich Sommerferien! Mit voll gepacktem Auto und unseren 3 Kindern starten wir Schwarzwälder zuerst nach Schweden. Unsere Reise führt uns quer durch Deutschland nach Fehmarn. Von dort mit der Fähre von Puttgarden nach Rødby und weiter durch Dänemark zur nächsten Fähre von Helsingør nach Helsingborg. Jetzt liegen einige hundert Kilometer Schweden vor uns bis wir endlich das Ferienhaus im Finnskogen, eine abgelegene Waldregion im Grenzgebiet zwischen Norwegen und Schweden, erreichen. Das Haus soll uns als „Basislager“ für unsere geplante Trekkingreise ans Nordkapp und dem wirklich nördlichsten Punkt Europas, Knivskjellodden, dienen. (Mit 71°11´08´´ nördlicher Breite liegt die nur zu Fuß erreichbare Landzunge Knivskjellodden noch etwa 1,4 km weiter nördlich als das bekannte und verkehrstechnisch bestens angebundene Nordkapp-Plateau.)

 Einige erholsame Tage in Schweden lassen die lange Autoreise schnell vergessen. Wir fahren Kanu, gehen angeln und sortieren und checken nochmal die Ausrüstung. Unser Jüngster ist erst 10 Jahre alt und hat deshalb nur einen ganz kleinen und leichten Rucksack. Die anderen beiden, 14 und 16 Jahre alt, tragen ihre Basisausrüstung selbst. Den Rest haben wir beiden alten „Lastentiere“ zu schultern. So wollen die Gepäckstücke für den Flug richtig ausgesucht und deren Gewicht den Flugbestimmungen entsprechend verteilt sein.

Wir sind beide berufstätig und wegen der Kinder auf die Ferienzeiten angewiesen. Daher muss leider unsere Abenteuerlust in einen zeitlich begrenzten Rahmen passen - wie das sicher bei vielen Familien der Fall ist. Deshalb haben wir die Anreise in den Norden Norwegens mit dem Flugzeug von Oslo nach Alta gewählt.

  

Unser Flug startet morgens zeitig in Oslo und wir landen noch am frühen Vormittag in Alta. Von dort soll es am Nachmittag mit dem Bus weiter nach Honningsvåg gehen. Also haben wir genügend Zeit, uns die Felszeichnungen in Alta anzusehen. Dass Alta ein Regionalflughafen ist, wird uns nach kurzer Zeit bewusst als wir nach dem Auschecken so ziemlich die einzigen Personen auf dem Flughafen sind - mal abgesehen vom wenigen Personal. Wir telefonieren am Taxistand nach einem für 5 Fahrgäste geeigneten Taxi, welches uns nach wenigen Minuten Wartezeit aufnimmt und uns ins Freilichtmuseum zu den ca. 6000 - 2500 Jahre alten Felszeichnungen bringt. Mitte August ist bereits Nebensaison und somit sind auch nur noch sehr wenige Touristen anzutreffen, was Museumsbesuche überaus angenehm macht.

Der Rundgang bei herrlichstem Sommerwetter ist für uns alle sehr beeindruckend und die Zeit verfliegt förmlich.

 

 

 Zurück am Flughafen erwarten wir den Bus der Route 062 am Bussteig. Überaus pünktlich fährt der Bus vor. Wir verstauen unser Gepäck und auf geht es über Skaidi, Olderfjord nach Honningsvåg auf Magerøya. Wir genießen die entspannte Fahrt durch tolle Landschaft. Kleiner und dünner wird der Baumbestand. Wunderbar schlängelt sich die Straße entlang der Küste. Als wir in Honningsvåg ankommen ist der Anschlussbus ( Nordkapp-Bus, Route 211) leider gerade weg und uns bleibt nur noch die Möglichkeit des Taxis, wenn wir an diesem frühen Abend noch auf dem Campingplatz – Nordkap-Camping - ankommen wollen. Gesagt – getan, bringt das Taxi uns und die Rucksäcke zum 8 km entfernten Campingplatz. Freundliche Begrüßung an der Rezeption, einchecken und Nachtlager herrichten. Zu diesem Zeitpunkt ahnen wir allerdings noch nicht, dass wir den Weg zurück nach Honningsvåg gleich nochmal antreten müssen. Wir gingen davon aus, dass es in dem kleinen Laden am Campingplatz am Abend noch etwas Brot o.ä. und handelsübliche Gaskartuschen für unseren Primus-Gaskocher gibt (Mitnahme im Flieger ist nicht gestattet). Leider Fehlanzeige. Die Lebensmittel waren an diesem Abend bis auf Nudeln und wenige Konserven restlos ausverkauft (Nebensaison!) – vor morgen Nachmittag definitiv keine Lieferung und wir wollen doch schon früh weiter mit dem ersten und für die Nebensaison letzten, also dem einzigen Nordkapp-Linien-Bus des Tages zu unserem Wanderabzweig einige Kilometer vor dem Nordkapp-Plateau und damit aus der Zivilisation. Das bedeutet zurück nach Honningsvåg an die einzige noch offene Tankstelle und dort den Proviant holen. Laut Auskunft an der Rezeption gibt es dort auch die von uns gewünschten Gaskartuschen. Seit unserem Start heute morgen sind wir bereits 18 Stunden auf den Beinen. Sicher kann sich jetzt jeder vorstellen, dass in diesem Moment die Begeisterung der Kinder wahre Wellen schlägt. Zum Glück gibt es WLAN und so machen wir zwei „Alten“ uns auf den Weg während die Kids im Zelt am Handy chillen. Die Tankstelle ist sehr gut sortiert und wir können unsere Einkaufsliste zu unserer Beruhigung vollständig abarbeiten.

 

Am nächsten Morgen stehen wir ausgeruht mit „Sack und Pack“ und voller Erwartung an der Haltestelle des Nordkapp-Busses direkt vor der Einfahrt des Campingplatzes. Der Tag verspricht genial zu werden und wir genießen die Landschaft Magerøyas im schönsten Sonnenlicht aus dem fahrenden Bus.

 An der Haltestelle am Wanderparkplatz zum Knivskjellodden verabschiedet uns der Busfahrer nach dem Ausladen mit ungläubigem Blick und der Frage ob wir wüssten, dass er heute der erste und letzte Bus sei und ob wir alles zum Übernachten dabei hätten? Das „Ja“ mit Augenzwinkern beruhigt ihn und er wünscht uns viel Spaß ohne zu vergessen uns daran zu erinnern, wann er morgen bzw. übermorgen wieder hier sein wird und wir dann auf ihn warten könnten. Wirklich nett und aufmerksam! Der Bus fährt ab und nun sind wir wirklich allein. Kein einziges Fahrzeug auf dem Parkplatz – eben Nebensaison.

 

Auf einem schwach ausgetreten bzw. stellenweise nur zu erahnendem Pfad geht es zunächst knapp 4 km nach Westen bis zu Kreuzungspunkt Tunes mit großem Steinmännchen mit dem Wegweiser Richtung „Knivskjellodden“ und dann von dort Richtung Norden noch einmal knapp 6 km bis zum DNT-Markierungsstein, dem wirklich nördlichsten Punkt Europas. Zwischendurch sind ab und zu kleine Steinmännchen errichtet, die bei guter Sicht von Weitem auszumachen sind. Trotzdem sollte man sich den Weg gut einprägen, weil bei schlechten Wetterverhältnissen die einzelnen Markierungspunkte nicht mehr so einfach zu erkennen sind. Am Abzweig machen wir unsere erste Rast. Heute ist wirklich T-Shirt-Wetter und wir genießen die Wanderung, die Stille und die atemberaubende Fernsicht.

 

Bald nach der Abzweigung „Knivskjellodden“ kommt das Nordkapp-Plateau nordnordöstlich in Sicht. Der Felsen türmt sich mit seinen knapp 300 müN gewaltig gegen die See auf.

Etwa 2 km vor unserem Etappenziel schlängelt sich der Weg in Serpentinen einen steilen Abhang hinunter bis zum Strand Knivskjellvika. Weil wir wissen, dass wir heute Abend etwas wind- undwettergeschützt im Hinterland übernachten werden und somit auf gleichem Weg wieder hinauf müssen, lassen wir die schweren Rucksäcke verborgen zwischen den Felsen zurück und steigen nun nur noch mit leichtem Gepäck und der Fotoausrüstung die gut 100m Höhenunterschied hinab.

Unten angekommen sehen wir nun endlich auch das touristische Wahrzeichen – die Weltkugel – auf dem gut 4 km entfernten Nordkapp-Plateau. Nach kurzer Rast am Strand geht es jetzt nahezu auf einer Höhenlinie auf dem schräg ins Meer hinabgleitenden Felsmassiv nahe dem Meeresufer Richtung Etappenziel. Bei schlechtem Wetter, Nässe und rauer See ist diese Passage wegen der dann glatten, schräg ins Meer versinkenden Felsplatten sicherlich nicht so einfach zu meistern! Zu unserer großen Überraschung und Freude taucht unmittelbar vor uns eine Gruppe Wale aus der Tiefe und schwimmt gemächlich neben uns her. Das Prusten der Meeressäuger aus so kurzer Entfernung vom Ufer aus zu hören und die Ruhe und Gelassenheit der Kolosse zu spüren ist einfach überwältigend. Beinahe vergessen wir darüber, dass wir unser Ziel noch nicht ganz erreicht haben. Wir schauen ihnen während wir weiterlaufen noch lange auf ihrem Weg in das offene Meer nach und stehen auf einmal auch schon am Ziel: Knivskjellodden, der nördlichste Punkt Festland-Europas – wenn man mal davon absieht, dass die Insel Magerøya über einen Tunnel mit dem Festland verbunden ist.

Wir schauen herüber zum Plateau, freuen uns darüber hier gerade die einzigen Menschen zu sein und lassen den wunderbaren Ort auf uns wirken.

 

Da wir wieder ein Stück des Weges zu unserem Nachtlager zurück müssen, machen wir uns alsbald auf den Weg, erklimmen die Steilstufe zu unseren Rucksäcken und gehen weiter ins Landesinnere, um einen ebenen, sicheren wind- und wettergeschützten Lagerplatz zu finden. Dies erweist sich in der baumlosen und flach hügeligen Tundra als gar nicht so einfach. Dennoch finden wir oberhalb eine Baches unseren Lagerplatz, bauen die Zelte auf, holen Wasser für Tee und Suppe und lauschen dem gerade einzigen Geräusch: das leise Surren des Kochers.

 

Müde aber zufrieden kriechen wir nach dem Essen in unsere Schlafsäcke, finden aber nicht gleich Schlaf und träumen mit offen Augen in die Pastelltöne der nicht enden wollenden Dämmerung. Dementsprechend kurz ist die Nacht.

 

Früh am nächsten Morgen verheißt eine am Horizont schnell aufziehende Wolkenfront im Westen nichts Gutes. Wir wecken die Kinder und packen unsere Ausrüstung in Windeseile zusammen. Frühstück gibt es auf der Faust und schon machen wir uns auf den Heimweg, um dem Wetter wenigstens ein kleines Stück zuvorzukommen.

 

Die Sicht verschlechtert sich zusehends und der Nebel wird immer dichter. Mit dem aufkommenden Wind kommt auch der Regen. Die Sicht ist mittlerweile so schlecht, dass man keine 20m mehr weit sehen kann. Der Pfad ist ab hier jedoch gut sichtbar, so dass ich mein GPS-Gerät in der Tasche lassen kann. Die Jungs laufen einige Meter vor uns und bewegen sich zu unserer Freude und Hochachtung absolut zielsicher, orientiert und souverän.

 

Zurück am Wanderparkplatz treffen wir auf nette junge Wanderer, die uns anbieten, uns in ihrem PKW zur Nordkapp-Halle auf dem Nordkapp-Plateau zu bringen. Dieses Angebot nehmen wir angesichts des seinem Ruf alle Ehre machenden Norkappwetters dankend an. Wegen des schlechten Wetters kommen an diesem Tag keine Busse mit Touristen von den Kreuzfahrtschiffen und so haben wir die „Nordkapp-Kugel“ auf der Aussichtsplattform für uns allein. Nach ausgiebigem Frühstück im leeren Restaurant begeben wir uns zum Bussteig. Der selbe Busfahrer der Nordkapplinie von gestern begrüßt uns mit breitem Lächeln, als wir den Bus besteigen.

 

 

 

 

 

 

 

Zurück am Campingplatz am späten Vormittag nehmen wir für die letzte Nacht eine kleine Hütte. Die Sachen sind schnell wieder trocken und das Wetter bessert sich ebenfalls. So können wir kurz hinter dem Campingplatz über einen Hügel zum Meer hinunter an die Klippen und haben erneut das Glück, Wale zu beobachten.

Zur Krönung des letzten Abends wollen wir Königskrabben probieren und fahren mit dem Taxi ins King Crab House nach Honningsvåg. Da wir die Gaumen in den letzten Tagen eher spartanisch kulinarisch verwöhnt haben, ist dies ein Erlebnis der Extraklasse für uns – vorzüglich!

 

Der nächste Morgen sieht uns wieder im Bus nach Alta. Während die wunderschöne Landschaft an uns vorbeizieht, wirken die Erinnerungen an dieses Abenteuer in uns nach.

 

Leider reichte uns die Zeit nicht für einen Besuch der Vogelkolonien (man braucht ja auch einen Grund zum Wiederkommen) und zugegeben ist man ohne Fahrzeug und eingeschränktem Busverkehr in der Nebensaison auch recht wenig langstreckenmobil. Abgesehen davon sprengen dauernde Taxifahrten recht schnell das Urlaubsbudget.

 

Als der Flieger in Alta abhebt, sind wir uns alle einig: Nordkapp! Wir kommen wieder!

Danke für die wunderbaren Erlebnisse und die schöne Zeit!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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